Eigentlich begann der Tag ganz harmlos.
Berliner Morgen, frostiger Asphalt, ein Treffpunkt irgendwo zwischen Glättewarnung und Koffeinbedarf.
Ich hatte mich mit Martin verabredet.
Die Reise nach Dubai war längst gebucht. Wir wollten uns nur kurz zusammensetzen und klären, was wir dort an welchen Tagen machen würden.
Der Winter hatte andere Pläne.
Glatteis. Schnee. Warnungen. Alles verzögerte sich.
Und dann: Unser Lieblingscafé hatte Betriebsferien.
Martin rief an:
„René, das Café hat zu. Treffen wir uns beim Inder?“
„Gut“, sagte ich. „Gehen wir.“
Die Gaststätte war leer. Es war ruhig. Zeit lag in der Luft.
Wir hatten beide unsere iPads dabei – personalisierte Schaltzentralen für Recherche und Planung.
Wir sprachen über Dubai. Über Möglichkeiten. Über Programme.
Martin wollte in den Aquapark. Rutschen. Geschwindigkeit. Bewegung.
Mich interessierten die Rutschen nicht. Ich sprach von diesem Pool mit Glasboden – dort, wo man schwimmt und ins Leere schaut.
Zwei Vorstellungen von Freizeit. Keine dringend.
Wir kamen nicht weiter.
Dann vibrierte Martins Gerät.
Eine Nachricht. Schnäppchenflüge.
Er sah kurz drauf. Sagte nichts. Dann:
„Hier – ein Flug für 50,01 Euro von Berlin nach Bologna.“
50,00 Euro. Pro Person.
Ich sagte, halb im Scherz, halb ernst:
„Vielleicht sollten wir uns umbenennen. Nicht mehr Streifzügler. Eher Schnäppchenjäger.“
Martin reagierte sofort. Kurz:
„Du weißt doch, darum geht es nicht. Der Streifzug ist cool. Winter in Italien – das haben wir noch nie gemacht.“
Er hatte recht.
„Darauf“, sagte ich, „wäre ich offen gesagt nie gekommen.“
Bologna.
Ein Ort, den wir schon ein Jahr zuvor besuchen wollten.
Damals war es zu teuer, zu kompliziert. Verschoben. Vergessen.
Ab diesem Moment kippte das Gespräch.
Dubai rückte in den Hintergrund.
Das Rad begann sich zu drehen.
Bologna: ein ausgelassener Tag. Essen. Trinken. Laufen.
Und dann – plötzlich – war da noch etwas: Florenz.
Der Hinflug? Geklärt.
50,01 Euro. Bologna. Erledigt.
Aber dann kam die alte Frage zurück:
Wie kommen wir wieder weg?
Martin suchte.
Bahnverbindungen. Angebote. Schnäppchen.
„Hier“, sagte er schließlich. „80 Euro pro Person. Könnte funktionieren.“
Wir lasen den Plan:
Drei Mal umsteigen. Lange Fahrzeiten. Züge, die nicht warten. Reservierungen. Abhängigkeiten.
Es klang nach Bewegung, aber nicht nach Freiheit.
Nicht entspannt. Nicht leicht.
Eher nach Organisation.
Wir sahen uns an.
Guter Rat war plötzlich wieder teuer.
Dann sagte ich:
„Warte mal…“
Pause.
„Schau doch mal am Flughafen von Mailand. Vielleicht gibt’s von dort einen günstigen Flug nach Berlin.“
Martin sah mich kurz an. Skeptisch. Dann suchte er.
Mailand.
Ein Rückflug nach Berlin – 53 Euro. Pro Person.
Plötzlich war alles wieder offen.
Nicht kompliziert. Nicht verplant. Einfach möglich.
Von Bologna nach Florenz – nur ein kurzer Schritt.
Wir gewannen Zeit. Fügten eine Stadt hinzu.
Fanden einen Rhythmus, der sich richtig anfühlte.
Drei Tage. Drei Orte.
Eine Strecke, die sich wie ein Film anfühlte – mit Kapitelüberschriften.
Am Ende waren nur noch zwei Plätze frei.
Wir buchten.
Martin sagte:
„Glück gehabt.“
Ich sah ihn an.
„Winter in Florenz. Verrückt. Darf man eigentlich gar nicht machen.“
Er grinste.
„Perfekt. Das wird ein cooles Video – für meinen Kanal. Florenz im Schnee.“
Ich nickte.
Na, mal sehen. Wird spannend, denke ich.
Vielleicht ist Florenz ja genau der richtige Ort, um mal kurz über Dubai nachzudenken.
