Unterwegs ohne Ziel
Ein Streifzug beginnt nicht mit einem Plan.
Er entsteht aus Bewegung, aus Neugier, aus dem Wunsch, etwas wahrzunehmen, ohne es sofort einzuordnen.
Streifzugler sind keine Sammler von Ergebnissen.
Sie halten fest, was ihnen begegnet – beiläufig, fragmentarisch, manchmal widersprüchlich.
Mich interessieren keine Sehenswürdigkeiten.
Mich interessieren Risse: im Asphalt, im Denken, in Systemen.
Orte, an denen etwas nicht ganz stimmt.
Streifzüge sind kein Hobby.
Sie sind eine Haltung.
Wahrnehmung statt Erklärung
Diese Seite ist kein Reiseblog im klassischen Sinn.
Ich schreibe nicht, um Tipps zu geben oder Routen zu empfehlen.
Ich schreibe, um Spuren sichtbar zu machen – innere und äußere.
Texte, Fotografien und Skizzen entstehen unterwegs:
in Zügen, in Städten, an Übergängen.
Sie dokumentieren Wahrnehmung, keine Wahrheit.
Was hier auftaucht, ist oft unvollständig.
Manches bleibt offen.
Das ist kein Mangel, sondern Methode.
Schreiben als Streifzug
Mein literarisches Arbeiten folgt demselben Prinzip.
Auch meine Romane entstehen aus Bewegung, aus Fragmenten, aus tastenden Annäherungen.
In der Trilogie, an der ich arbeite, geht es um Wirklichkeitsebenen, um Simulation, Identität und Erinnerung.
Aber nicht im Sinne klassischer Science-Fiction.
Mich interessiert weniger das Wie funktioniert das? als das Was macht es mit uns?
Die Figuren bewegen sich durch instabile Welten.
Sie zweifeln an ihrer Wahrnehmung, an ihrer Geschichte, an sich selbst.
Genau dort setzt der Streifzug an: im Moment des Zweifelns.
Zwischen Reisen und Texten
Reisen ist für mich kein Konsum von Orten.
Es ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit.
Im Unterwegssein verschieben sich Maßstäbe.
Geräusche werden lauter, Details schärfer, Gedanken unkontrollierbarer.
Diese Zustände interessieren mich – nicht das Ankommen.
Fotografie und Schreiben sind dabei Werkzeuge, keine Selbstzwecke.
Sie halten fest, was sonst verloren geht:
Stimmungen, Übergänge, flüchtige Konstellationen.
Unterwegs zu zweit
Viele Streifzüge entstehen nicht allein. Ich reise oft mit Martin.
Martin arbeitet bei der Bahn. Er war Zugbegleiter und trägt heute Verantwortung für einen
ganzen Wagen. Ordnung, Abläufe, Sicherheit – Dinge, die funktionieren müssen.
Seine Leidenschaft für die Eisenbahn beginnt früh.
Technik interessiert ihn nicht als Spielzeug, sondern als System:
Mechanik, Strom, Übergänge, Steuerung.
Was fährt, trägt, hält.
Martin fotografiert und filmt.
Er betreibt den Videokanal „Martin Reisewelt“.
Sein Blick richtet sich weniger auf Bedeutung als auf Konstruktion.
Während ich schreibe, richtet er die Technik aus.
Während ich mich verliere, bleibt er am System.
Inzwischen arbeiten wir gemeinsam mit 360°-Kameras.
In Barcelona haben wir begonnen, Räume nicht nur festzuhalten, sondern begehbar zu machen –
als Bewegung, nicht als Bild.
Wir reisen gemeinsam.
Aber wir erzählen unterschiedlich.
Ich schreibe. Martin baut Perspektiven.
Diese Spannung ist kein Widerspruch.
Sie ist der Grund, warum die Streifzüge funktionieren.
Warum das alles?
Weil unsere Gegenwart immer stärker durch Systeme geprägt ist, die sich unserer Wahrnehmung entziehen. Weil Wirklichkeit zunehmend vermittelt, gefiltert und simuliert wird.
Weil genaues Hinsehen wichtiger wird – auch dort, wo nichts Spektakuläres passiert.
Der Streifzug ist ein Gegenvorschlag. Langsam. Beobachtend. Unentschieden.
Was dich hier erwartet
Texte zwischen Reise, Essay und Fragment.
Fotografien ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Gedankenskizzen aus einer Welt im Übergang.
Keine Anleitung. Kein Ziel. Nur Bewegung.
Zwischen Menschen und Maschinen
Über uns
Streifzüge beginnen für uns nicht nur draußen.
Nicht nur zwischen Fassaden oder an fremden Orten.
Wir streifen auch durch Systeme.
Durch Technik, die mehr zeigt, als sie sollte.
Und durch die Übergänge zwischen Mensch, Maschine und Wahrnehmung.
Mich interessiert dabei vor allem Sprache.
Was passiert, wenn Denken auf Systeme trifft, die nicht mehr nur Werkzeuge sind.
Wenn sich zwischen Mensch und Maschine neue Räume öffnen – und neue Fragen.
In diesen Zwischenräumen schreibe ich.
Texte, Fragmente, Prompts.
Ich öffne Welten, teste Grenzen, beobachte, wie sich Wirklichkeit verschiebt.
Martin nähert sich denselben Räumen von der anderen Seite.
Er kommt aus der Praxis.
Er arbeitet bei der Bahn, ist technikbegeistert seit seiner Kindheit,
schraubt Computer, beschäftigt sich mit Multimedia, Video und neuen Aufnahmetechniken.
Nicht aus Spieltrieb, sondern aus Interesse an Systemen – daran, wie sie funktionieren und wo sie brechen.
Er betreibt den Videokanal „Martin Reisewelt“
und dokumentiert unsere Streifzüge mit Kamera und Technik –
zuletzt auch mit 360°-Aufnahmen, die Räume nicht nur zeigen, sondern begehbar machen.
Wir reisen gemeinsam. Aber wir arbeiten unterschiedlich.
Während Martin Systeme sichtbar macht, versuche ich sie zu verstehen.
Aus diesen Streifzügen wächst bei mir eine literarische Arbeit:
eine Trilogie, die sich mit Wahrnehmung, Identität und Konstruktion von Wirklichkeit beschäftigt.
Keine klassische Science-Fiction, sondern ein tastender Blick auf Welten, die sich Schicht für Schicht öffnen.
Streifzugler sein bedeutet für uns: nicht stehen bleiben, nicht nur sehen, sondern genauer hinschauen.
Dort, wo eine Welt endet, beginnt oft bereits die nächste.
Für mich ist Schreiben selbst ein Streifzug. Und viele davon – haben gerade erst begonnen.
